Ein Semester auf der anderen Seite der Welt.
18 Mai
Nunja, ich schreibe das hier hauptsächlich, weil der letzte Eintrag über einen Monat her ist. Langsam geht das Semester dem Ende zu. Es kommt noch eine Klausur und in den kommenden zwei Wochen gibts noch ein bisschen was zu tun, aber ich kann langsam mal anfangen, meine Abschluss-Reise zu planen. Dann gibt es auch (hoffentlich) wieder interessante Bilder.
Ansonsten ist das Leben hier echt zum Alltag geworden. Alles fühlt sich irgendwie normal an. Ich kapiere nur noch immer nicht, warum es hier üblich ist, Bier in einem großen Krug auf den Tisch zu stellen, um daraus einzuschenken… Naja – in manchen Teilen in Deutschland trinkt man direkt daraus. Ob das normaler ist?
12 Apr
Erstmal das beste: Ich habe jetzt Internet zu Hause.
Das klingt doch nicht schlecht, oder? Nunja. Aus Deutschland klingt das vielleicht recht selbstverständlich, aber es ist eigentlich ne nette Sache. Nur blöd, dass ich das jetzt mit ein paar Details kaputt machen muss, denn es ist: Pre-Paid Dial-Up. Wem das nichts sagt: Das bedeutet, dass ich wie bei einem Karten-Handy vorher ein Konto auflade und dann per Modem (jepp, mit lustigen Pieptönen) eine Verbindung mit unglaublichen 56kB/s aufbauen kann.
Das Problem ist einerseits, dass weder ich noch meine Mitbewohnerin einen Vertrag brauchen kann, weil wir hier in drei Monaten ausziehen. Außerdem würde ich selbst mit Vertrag etwa so viel bezahlen müssen, wie ich zu Hause für die 15MBit-Flatrate mit Telefon-Flat bezahle. – Nur um hier 512kBit mit einer 100MB-Grenze zu bekommen… Internet ist hier echt ein bisschen blöd. Vermutlich weil die auf ner großen Insel hocken und die Städte so weit auseinander sind. (Ist zumindest die Theorie von ein paar australischen Mitstudenten, die sich der Situation bewusst sind)
Übrigens wird mein Physik-Praktikum, was ich hier mache, in Aachen nicht anerkannt. Ist zu kurz, zu lahm und thematisch nicht ganz passend. Aber ich bin ja eh mehr für die Erfahrung, die Sprache und zum Cachen hier *gg*
Und noch übrigenser: Das Bafög-Amt hat sich endlich dazu entschieden, mir die Summe zu geben, die ich mir vorgestellt habe und ich muss scheinbar nichts mehr einreichen… Meine erste Hochrechnung ergibt damit, dass ich schuldenfrei bin, wenn ich zurück komme. Da ich aber noch ein wenig durch das Land reisen möchte, wird das nicht ganz hinhauen, aber unterm Strich wird es ganz OK aussehen.
Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. Im Moment ist halt die Uni angesagt. Da könnte man zwar über die feinen Unterschiede reden, aber dazu könnt ihr mich auch auf ein Bier einladen, wenn ich wieder da bin. Also wundert euch nicht, dass es hier im Moment erstmal wenige neue Einträge gibt, ich habe halt einiges für die Uni zu tun und wenig Erzählenswertes. Wenn meine große Australien-Abschieds-Tour beginnt (nach einer Klausur irgendwann im Juni, deren Termin ich noch nicht kenne) gibts bestimmt wieder mehr Fotos und Geschichten…
7 Mrz
Also ich fang erstmal mit dem nicht so glücklichen Teil an. Am Montag wollte ich mal wieder meinen Aufenthalt im Hostel verlängern, weil ich noch immer keine Wohnung hatte und musste erfahren, dass das nur bis Donnerstag geht. Offenbar wird langsam alles voll, weil die Leute zum Grand Prix kommen. Am nächsten Tag musste ich dann im Internet (also mal wieder an der Uni) feststellen, dass es in allen anderen Hostels, die ich finden konnte genauso aussieht. Verdammt! Halb Melbourne sucht nach ner Wohnung wie ich und der Rest der Welt kommt dazu, um mir meine Hostel-Plätze wegzunehmen. Also was tun? Google fragen, unter welchen Brücken es sich am besten schläft? Zum Glück entschied ich mich, mal wieder zum schwarzen Brett bei Readings zu gehen…
Hab ich das schonmal hier erwähnt? Der halbe Wohnungsmarkt in Melbourne wird über ein verstecktes schwarzes Brett in einer unscheinbaren Seitenstraße an der Seite des Buchladens „Readings“ abgewickelt. Dass ich davon weiß war auf jeden Fall schonmal Glück, weil ich bei der richtigen, geschwätzigen Studienberaterin gelandet bin, um mich einzuschreiben. Jedenfalls bin ich da erstmal hingegangen, habe mir mit zunehmender Verzweiflung die Anzeigen angesehen, die eine oder andere Nummer angerufen und jeweils erfahren, dass die Wohnung schon weg ist.
Dabei bin ich mit Yasuko einer, japanischen Psychologie-Studentin, und Marcus, einem australischen Freund von ihr, ins Gespräch gekommen. Sie war auf der Suche nach einer neuen Wohnung, weil sie aus der alten bald ausziehen muss, da der Besitzer das Haus verkauft. (Und Marcus war zur moralischen Unterstützung dabei und vor allem, um durchgehend absurdesten Blödsinn vonn sich zu geben.) Als ich ihr dann von meiner Situation berichtete, bot sie mir an, für eine Woche oder zwei bei ihr einzuziehen, da ihr derzeitiger Mitbewohner schon jetzt auszieht und somit sein Zimmer frei wird. Ich hätte eine Bleibe, von der aus ich weiter suchen kann und sie muss nicht die volle Miete zahlen, bis sie was hat. Prima!
Das ist aber soweit noch einfach nur Glück. Soll vorkommen. Womit ich aber das verdient habe, was dann gestern abend kam, weiß ich nicht ganz. Ich bin nämlich dann gestern mit meinem ganzen Kram bei ihr aufgekreuzt, nachdem ich aus dem Hostel raus musste und hab mich provisorisch für eine Woche eingerichtet. Abends haben wir uns dann gemütlich unterhalten, als es plötzlich an der Tür klingelt. Der Vermieter. Nach einigen aufgeklärten Missverständnissen darüber wann, wo, wie und warum das Haus verkauft wird (wie genau die entstanden sind hab ich noch nicht ganz kapiert – Zu viele Namen von Menschen, die ich nicht kenne) und einigen Freudenausbrüchen von Yasuko, war klar, dass sie bis Ende Juli die Wohnung behalten kann. Sie braucht im Grunde nur einen neuen Mitbewohner… Hm…
Also Leute: Meine neue Adresse ist jetzt
3⁄79 Maribyrnong Road
Ascot Vale Vic 3032
Australia
Gucksu auch hier. OK, ist von oben im Grunde… grau.
Das ist zwar nicht gerade direkt neben der Uni, aber in vernünftiger Fahrrad-Reichweite. Morgen werde ich mir ein Fahrrad, nen Helm (ist hier Pflicht und eine gute Idee bei den vielen Geisterfahrern) und eine Gitarre besorgen. Dann muss nur noch der inzwischen abgemeldete Internetanschluss ersetzt werden und alles ist bestens. Der einzige Nachteil dieser Wohnung ist, dass der nächste Supermarkt kein Aldi ist *gg*
Achja, da war ja noch was Gutes die letzten Tage: Ich bekomme Auslands-Bafög! Jibbi!
Aber ganz gefällt mir das noch nicht. Ich muss mich mit denen nochmal über den Betrag streiten, weil die Studiengebühren noch nicht drin sind… Nunja, mir wurde jetzt zumindest versichert, dass das beim nächsten Bescheid im April berücksichtigt wird. Obwohl mir der Tonfall der Mail nicht ganz gefiel… Und damit ich das Bafög-Amt noch sympatischer finden kann, durfte ich denen heute zum dritten Mal meine Immatrikulationsbescheinigung senden. Ich kann zwar dank Google-Mail die beiden ersten Male nachweisen, aber das heißt offenbar nicht, dass das dann auch tatsächlich bei denen in irgendwelchen unterlagen landet.