Sebastians Australien-Blog

Ein Semester auf der anderen Seite der Welt.

Archiv für März, 2008

Great Ocean Road

Also erstmal zur Info: Ich hab immer noch kein Internet und erstmal wieder keine Idee, wie ich das hinbekommen soll…

Aber jetzt zum eigentlichen Thema. Die „Great Ocean Road“ entlang zu fahren stand ganz oben auf meiner Liste der Dinge, die ich hier machen wollte. Also habe ich im StudiVZ die Augen nach Leuten offen gehalten, die das auch machen wollen und welche gefunden. Dann haben wir uns letzten Donnerstag auf ein Bierchen getroffen und es schien nicht zu klappen, weil ich Freitags zu lange Uni habe. Doch dann Freitag die Überraschung…

Ich sitz in der Bibliothek (mein üblicher Internetzugang) mit einem Australier aus einem meiner Kurse, als ich merke, dass ich 3 verpasste Anrufe und 2 SMS in der letzten Veranstaltung gesammelt habe. Also zurückgerufen und erfahren, dass ich noch schnell vorbei kommen kann, um doch noch mitzufahren. Also alles schnell in den Rucksack gestopft, mit dem Fahrrad in die Stadt zur verabredeten Autovermietung gegurkt und Fahrrad angekettet.

Da hatte ich dann das Vergnügen, uns aus der Stadt herauszumanövrieren. Das Fahren ist ja nicht das Problem, aber die Stadt ist zu stressig, also wäre es nett, wenn ich das mache :) Nun folgt also ein Abschnitt über Autofahren in Australien. Wens nicht interessiert, der sollte zu den ersten Bildern scrollen…

Autofahren in Australien

Überraschenderweise ist das große Problem nicht, dass die Leute links fahren. Daran gewöhnt man sich schnell und da ich jetzt schon einiges mit dem Fahrrad gemacht habe, war das echt kein Problem. Man hat bei kleinen Anwohnerstraßen manchmal noch den Impuls, rechts zu fahren, aber das merkt man recht schnell.

Das Problem ist, dass auch der Wagen verkehrt herum ist. Das bedeutet, dass man mit links schaltet und der Hebel für den Blinker rechts ist. Man erkennt Leute, die das erste Mal links fahren daran, dass sie mit dem Scheibenwischer blinken… (Ein kleiner Nachtrag: Ich habe eben von einer Australierin aus einem meiner Kurse erfahren, dass das auch Australiern gerne mal passieren kann, weil bei manchen Import-Autos das Lenkrad zwar auf die richtige Seite kommt, der Blinker aber bleibt wo er ist.)

In Melbourne selbst zu fahren ist dabei aber tatsächlich nicht ganz so einfach. Das liegt einerseits an abgefahrenen Konzepten, wie „rechts Abbiegen nur von der linken Spur“ in engen Straßen und andererseits daran, dass man selbst bei fünf Spuren erst dann ein Schild findet, welche Spur wofür ist, wenn man längst in die falsche Richtung abgebogen ist. (Zur Erklärung dieses rechts-Abbiegen-Konzepts erklär ich das mal Spiegelverkehrt, wie es bei uns wäre: Stellt euch vor, ihr wollt links abbiegen. Dann müsst ihr ja auf den Gegenverkehr warten und blockiert alles. Hier wird dann die rechte Spur für Links‑ und Rechtsabbieger verwendet, so dass man auf der rechten Spur fast über die ganze Kreuzung gradeaus fährt, stehen bleibt und links blinkt. Da wartet man dann bis der Gegenverkehr weg ist und der Verkehr von hinten links an einem vorbeigefahren ist, bevor man abbiegt. Kompliziert? Jetzt stellt euch das noch spiegelverkehrt vor… In der Praxis ist das aber gar nicht so schlecht.)

Ganz anders sieht es auf dem Freeway aus. Das oberste Tempolimit ist 100 km/h und offenbar gibt es drakonische Strafen, die dafür sorgen, dass sich wirklich jeder daran hält. Wo in Deutschland die rechte Spur dank LKWs etwa 80 km/h und die linke Spur mindestens 20 km/h mehr als das Erlaubte fährt, hat man hier gerne mal vier Spuren, auf denen alle Autos in etwa gleich schnell nebeneinander her tuckern. Was bei uns ein Raser ist, der auf der linken Spur dicht auffährt und mit 50km/h schneller als erlaubt alles in kürzester Zeit hinter sich lässt, sind hier Leute, die 110 km/h fahren und die man selbst eine halbe Stunde später noch am Horizont sieht. Tatsächlich gab es auf dem Weg eine Geschwindigkeits-Anzeige, die gar nicht mehr zeigen konnte als 107 km/h.

Okay, so viel zu dem trockenen Teil der Hinfahrt von Melbourne aus. Kommen wir also zum eigentlichen Teil, der

Great Ocean Road

Tag 1

Die Straße heißt zwar schon ein paar Meter vorher so, aber richtig los geht es erst bei dem großen Schild, an dem man natürlich aussteigen und Fotos machen muss. Eine prima Gelegenheit, auch meine Reisebegleitung vorzustellen:

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Julia, Geli und meine debil grinsende Wenigkeit. (Mein Hüpf-Foto zeig ich hier nicht. Gibt aber später noch eins…)

Vom ersten Tag gibt es aber nicht so viel zu berichten. Wir haben unser Auto „Blinky“ getauft, die Kakerlake, die in unser Auto gekrochen ist und nie wieder gesehen wurde „Roachy“ und sind ohne nennenswerte Zwischenstopps bis nach Port Campbell durchgefahren, um den ganzen verpassten Kram später auf dem Rückweg zu sehen. Warum aber bereits das befahren der Great Ocean Road großartig ist, zeigt hoffentlich das kleine Video:

Tag 2

Schleßlich sind wir dann in einem Hostel in einem 14er-Zimmer gelandet, um am nächsten Tag die „Twelve Apostles“ bei Sonnenaufgang zu sehen. Zwar ist der Sonnenaufgang nicht direkt über den Twelve Apostles und es war leider leicht nebelig, aber der Anblick ist schon beeindruckend. Fanden auch die ganzen Fotografen…

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Wir sind dafür extra um 7:00 Uhr losgefahren und es war abgesehen von der Kette aus Stativen und DSLRs, die ihr oben seht nicht viel los. Ich will mir aber nicht vorstellen, wie viele Menschen da abends rumstehen…

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An der Stelle der Great Ocean Road gibt es wirklich alle paar Meter einen interessanten Felsen im Ozean. Man könnte jetzt meinen, das sind doch nur Steine im Wasser – Hat man einen gesehen, dann… Aber schaut euch einfach die Fotos an. Auch der nächste Stopp bei „The Arch“ hat sich gelohnt.

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Und ein kleines Video davon konnte ich zwischen Gelis Fotos auch noch finden:

Der nächste Stein im Wasser wird „London Bridge“ genannt. Echt krass, was die Natur ganz alleine konstruieren kann. Hat nur nicht ewig gehalten.

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Dann der vorerst letzte Stopp zum Thema „Stein im Wasser“ (und mein Favorit, auch wenn alle anderen immer von den Aposteln schwärmen). „The Grotto“ (bin mir zumindest recht sicher, dass das so hieß)

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Danach gings dann erstmal nach Warrnambool, wo der Strandbesuch jedoch eher kurz wurde, da es etwas zu wolkig und damit zu kalt für mehr war. Hab also nicht wirklich was interessantes zu erzählen, aber nen Stapel Hüpf-Bilder (laut Julia ein absoluter Trend *gg*), viele Sand-Mal-Fotos und ein paar Fish-and-Chips-Ess-Bilder, von denen ich einfach mal drei raus suche:

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Das war dann auch der weiteste Punkt auf der Strecke und hier ist auch die Great Ocean Road schon zu Ende. Also umdrehen und auf dem Rückweg noch eine nette Stelle mit Steinen im Wasser einsammeln :)

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Jetzt kommen wir aber mal zu etwas lebendigerer Natur. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, in Australien skurile Felsen zu finden, aber irgendwie gibts da doch noch was anderes ungewöhnliches… Eigentlich wollten wir als nächstes einen Leuchtturm sehen, aber um die nicht wirklich vorhandene Spannung hierzu direkt abzubauen: Es war nur ein Aussichtspunkt und der war doof. Aber auf dem Weg dahin ist uns ein Schild aufgefallen:

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Das klingt doch vielversprechend… Ab diesem Schild haben die Mädels nur noch in die Bäume gestarrt und ich war darauf vorbereitet bei dem kleinsten „Da is einer!“ herauszufinden, ob der Wagen ABS hat. Und schon nach kurzer Zeit war da auch einer. Und dann noch einer und dann eine ganze Menge. Leider sind die Viecher so hoch in den Bäumen, dass die selbst mit Zoom schlecht draufkommen. Daher gibts jetzt ein beschnittenes Bild und ein kleines Video von einzelnen Koalas:

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Kurz darauf gabs übrigens noch ein Schild, aber das Tier dazu konnten wir nicht finden. Genau genommen haben wir es aber auch nicht wirklich gesucht.

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Und wo wir grad bei komischen Tieren sind und ich gerade ein Bild davon zwischen Julias Fotos sehe:

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Was sind das für komische Viecher? Die haben wir jedenfalls öfters gesehen. Sieht einerseits ein bisschen nach einer Papageienart aus, aber die Vögel sähen bestimmt besser aus, wenn man dann nicht inkonsequent gewesen wäre und eine Taube hinten drangeschraubt hätte…

Irgendwann war es dann auch wieder Abend und wir mussten uns ein Hostel in Apollo Bay suchen. War erstmal etwas schwieriger weil eine Menge belegt war und Apollo Bay nicht sooo groß ist, aber wir haben dann noch ein sehr kultiges gefunden. Erstmal haben wir uns gefragt, wo in dem kleinen Gebäude die Leute unter kommen sollen, aber dann hat uns (die extremst nette) Herbergsmutter zum „Zimmer“ geführt und wir haben verstanden. Das Hostel ist ein Gebäude mit Küche und Gemeinschaftsraum und dahinter stehen Wohnwagen zum schlafen. Das ganze Teil sieht ein bisschen aus wie ein Trailer-Park.

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Tag 3

Nach unserem Plan wollten wir am nächsten morgen dann zu einem Treetop Walk und den Triplet Falls, aber auf der Karte waren nur Straßen eingezeichnet, die nach extremem Umweg aussahen. Also haben wir die (extremst nette, aber auch sehr gesprächige) Herbergsmutter gefragt und nachdem sie uns ein komplettes Tagesprogramm an (durchaus guten) Tipps gegeben hat, empfahl sie uns einen der Wege auf der Karte. Hm… Ich hatte aber auf dem Hinweg noch an einer anderen Stelle eine Straße gesehen, die laut Schild in die Richtung führt. Also gezielt drauf angesprochen…

Eigentlich hätte es uns stutzig machen sollen, dass sie extra ihren Mann fragen musste, ob diese spezielle Straße im Moment gesperrt ist oder nicht. Verstanden haben wir das jedenfalls erst, als wir auf einmal auf einer nicht asphaltierten Straße in engen Kurven durch einen australischen Regenwald gurken mussten und wir auf der gesamten Hinfahrt kein anderes Auto zu sehen bekamen. (Auf dem Rückweg gabs zwei – Beide offensichtlich deutlich geländetauglicher als unser Kleinwagen.) Das Highlight war schließlich eine winzige Brücke mit einem Bach drunter:

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Da war zwar ein Schild davor, das behauptet, diese Brücke halte 10 Tonnen aus, aber irgendwie waren wir uns nicht sicher, ob die Brücke das auch wusste. Also erstmal ausgestiegen und zu Fuß inspiziert. Machte einen relativ stabilen Eindruck, auch wenn manche der Bretter nicht so ganz fest geschraubt waren. Nur weil manche Bretter am anderen Ende hochgehen, wenn man an einem Ende drauftritt, heißt das doch nicht, dass man nicht drüber fahren könnte, oder? Außerdem saß Julia grad am Steuer, so dass Geli und ich vor der Brücke stehen bleiben mussten, um den Moment auf unseren Kameras festzuhalten *gg*

Hat also gehalten und es war Zeit für ein Gruppenfoto mit unserem tapferen Hyundai Getz.

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Also dann weiter zum Treetop Walk. Hier gibts mal wieder nicht viel zu erzählen, muss man hat sehen. Also Video und Fotos:

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Da ist doch was, was auf dem Foto nicht rüber kommt. Auf dem Foto, auf dem wir so seltsam nach unten schauen sind wir auf einem Abschnitt der einfach ohne Säule mitten in der Luft endet und wie wir nun wissen so schwanken soll, wie er es auch gemacht hat. Man geht darauf wie ein Besoffener…

Direkt um die Ecke sind dann auch noch die Triplet Falls. Wovon ich euch jetzt auch einfach die Bilder präsentiere:

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Und weil mir langsam nicht mehr einfällt, wie ich abwechslungsreich davon berichten soll, wo doch die Bilder alles sagen und ich eigentlich nur den Ort erwähnen muss, folgen nun Bilder vom Strand in Apollo Bay inklusive meinem Hüpf-Foto mit T-Shirt-Blässe wie aus dem Bilderbuch, Fotos über Apollo Bay und dann noch welche entlang der Great Ocean Road.

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Auf dem Rückweg hatten wir dann auch die Zeit, an ein paar Verkehrsschildern halt zu machen und ein weiteres Pflicht-Foto zu machen. Ist doch echt so… Man kann nicht in Australien gewesen sein, ohne ein Foto von sich mit einem Känguru-Schild zu machen.

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Achja, apropos Kängurus. Die gabs natürlich auch zu sehen. Das erste, was ich zu sehen bekommen hatte war leider nicht mehr besonders lebendig und das zweite war nur von hinten am Straßenrand zu sehen, bevor es ins Gebüsch verschwand, als wir vorbei fuhren. Aber am Ende unserer Tour gab es doch noch (dank eines Tipps) mehr als genug von denen zu sehen. Und zwar auf einem Golf-Platz. Jepp, ein Golf-Platz. Der ist sowohl auf dem Trainingsabschnitt, auf dem auch fremde drauf dürfen, als auch auf dem eigentlichen Golf-Parcours für Mitglieder bis oben hin mit Kängurus gefüllt. Interessanterweise stört das offenbar weder die Golfer noch die Kängurus.

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Danach war die Tour dann aber wirklich vorbei :( Es wird echt schwer, dieses Wochenende noch zu toppen…

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Feuerwerk. Echt jetzt, Junge…

Ich muss grad einfach mal kurz erwähnen, dass ich grade das geilste Feuerwerk meines Lebens gesehen habe. Leider hab ichs erst bemerkt als es los ging und hab deswegen nur Fotos aus ner blöden Position machen können. Jedenfalls saß ich (genau wie jetzt wieder) aufm Federation-Square, um ein paar Caches zu loggen und mich nach Internet-Anbietern umzusehen (Verdammt, haben die hier mittelalterliche Tarife), als plötzlich hinter mir Musik ertönt und ein mittelschwerer Krieg ausbricht. Alle Leute auf dem Square stehen darauf geschlossen auf (echt krass, wie viele hier immer sitzen und auf die große Leinwand glotzen), drehen sich in eine Richtung um und marschieren los. Hab ich dann auch gemacht…

Erstmal zwei alte Bilder zur erklärung:

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An der Stelle von der ich das Foto gemacht habe, war etwa Ground Zero vom Feuerwerk, nur auf dem Fluss.  In die andere Richtung gibt es in etwa gleicher Entfernung eine zweite Brücke (in die Richtung sind auch die Fotos unten gemacht worden) und auf dem gesamten Fluss zwischen den beiden Brücken haben die mindestens fünf Boote verteilt von denen aus das Feuerwerk, Lichter und Feuerbälle losgelassen wurden. Zusätzlich wurden am gesamten Ufer Lautsprecher verteilt, über die passend und synchron zum Feuerwerk stimmungsvoll dramatische Musik ertönte und beide Ufer waren randvoll mit Menschen. Extremst geil.

Schade nur, dass ich zu spät war um einen Platz für gute Fotos zu bekommen, aber auf denen da unten gibt es dann wenigstens ein bisschen was…

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So, das musste ich jetzt los werden…

Wie viel Glück darf man haben?

Also ich fang erstmal mit dem nicht so glücklichen Teil an. Am Montag wollte ich mal wieder meinen Aufenthalt im Hostel verlängern, weil ich noch immer keine Wohnung hatte und musste erfahren, dass das nur bis Donnerstag geht. Offenbar wird langsam alles voll, weil die Leute zum Grand Prix kommen. Am nächsten Tag musste ich dann im Internet (also mal wieder an der Uni) feststellen, dass es in allen anderen Hostels, die ich finden konnte genauso aussieht. Verdammt! Halb Melbourne sucht nach ner Wohnung wie ich und der Rest der Welt kommt dazu, um mir meine Hostel-Plätze wegzunehmen. Also was tun? Google fragen, unter welchen Brücken es sich am besten schläft? Zum Glück entschied ich mich, mal wieder zum schwarzen Brett bei Readings zu gehen…

Hab ich das schonmal hier erwähnt? Der halbe Wohnungsmarkt in Melbourne wird über ein verstecktes schwarzes Brett in einer unscheinbaren Seitenstraße an der Seite des Buchladens „Readings“ abgewickelt. Dass ich davon weiß war auf jeden Fall schonmal Glück, weil ich bei der richtigen, geschwätzigen Studienberaterin gelandet bin, um mich einzuschreiben. Jedenfalls bin ich da erstmal hingegangen, habe mir mit zunehmender Verzweiflung die Anzeigen angesehen, die eine oder andere Nummer angerufen und jeweils erfahren, dass die Wohnung schon weg ist.

Dabei bin ich mit Yasuko einer, japanischen Psychologie-Studentin, und Marcus, einem australischen Freund von ihr, ins Gespräch gekommen. Sie war auf der Suche nach einer neuen Wohnung, weil sie aus der alten bald ausziehen muss, da der Besitzer das Haus verkauft. (Und Marcus war zur moralischen Unterstützung dabei und vor allem, um durchgehend absurdesten Blödsinn vonn sich zu geben.) Als ich ihr dann von meiner Situation berichtete, bot sie mir an, für eine Woche oder zwei bei ihr einzuziehen, da ihr derzeitiger Mitbewohner schon jetzt auszieht und somit sein Zimmer frei wird. Ich hätte eine Bleibe, von der aus ich weiter suchen kann und sie muss nicht die volle Miete zahlen, bis sie was hat. Prima!

Das ist aber soweit noch einfach nur Glück. Soll vorkommen. Womit ich aber das verdient habe, was dann gestern abend kam, weiß ich nicht ganz. Ich bin nämlich dann gestern mit meinem ganzen Kram bei ihr aufgekreuzt, nachdem ich aus dem Hostel raus musste und hab mich provisorisch für eine Woche eingerichtet. Abends haben wir uns dann gemütlich unterhalten, als es plötzlich an der Tür klingelt. Der Vermieter. Nach einigen aufgeklärten Missverständnissen darüber wann, wo, wie und warum das Haus verkauft wird (wie genau die entstanden sind hab ich noch nicht ganz kapiert – Zu viele Namen von Menschen, die ich nicht kenne) und einigen Freudenausbrüchen von Yasuko, war klar, dass sie bis Ende Juli die Wohnung behalten kann. Sie braucht im Grunde nur einen neuen Mitbewohner… Hm…

Also Leute: Meine neue Adresse ist jetzt
3⁄79 Maribyrnong Road
Ascot Vale Vic 3032
Australia

Gucksu auch hier. OK, ist von oben im Grunde… grau.

Das ist zwar nicht gerade direkt neben der Uni, aber in vernünftiger Fahrrad-Reichweite. Morgen werde ich mir ein Fahrrad, nen Helm (ist hier Pflicht und eine gute Idee bei den vielen Geisterfahrern) und eine Gitarre besorgen. Dann muss nur noch der inzwischen abgemeldete Internetanschluss ersetzt werden und alles ist bestens. Der einzige Nachteil dieser Wohnung ist, dass der nächste Supermarkt kein Aldi ist *gg*

Achja, da war ja noch was Gutes die letzten Tage: Ich bekomme Auslands-Bafög! Jibbi!

Aber ganz gefällt mir das noch nicht. Ich muss mich mit denen nochmal über den Betrag streiten, weil die Studiengebühren noch nicht drin sind… Nunja, mir wurde jetzt zumindest versichert, dass das beim nächsten Bescheid im April berücksichtigt wird. Obwohl mir der Tonfall der Mail nicht ganz gefiel…  Und damit ich das Bafög-Amt noch sympatischer finden kann, durfte ich denen heute zum dritten Mal meine Immatrikulationsbescheinigung senden. Ich kann zwar dank Google-Mail die beiden ersten Male nachweisen, aber das heißt offenbar nicht, dass das dann auch tatsächlich bei denen in irgendwelchen unterlagen landet.

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